Wissensmanagement im Unternehmen
 Wissensmanagement im Unternehmen

Literaturempfehlungen

Not invented here / Cross-Industry-Innovation

Ramon Vullings & Marc Heleven

Hanser Verlag, 2016

 

Auch wenn es ein englischer Titel ist: Das Buch ist beim Hanser Verlag in der deutschen Übersetzung mit dem englischen Titel erschienen. Vorab: es ist wirklich ein tolles Buch! Schon das Format und die Aufmachung verschaffen ein ganz anderes Leseerlebnis als die meisten Fachbücher. Und der Inhalt überzeugt mit jeder Menge ungewohnter Gedanken und Hilfsmitteln zum Kernthema: Wie schaffe ich in einem Unternehmen Mehrwert für die Kunden durch neue Produkte und Dienstleistungen? In leicht verdaulicher und abschnittsweiser Folge gehen die Autoren die einzelnen Kapitel an. Auf jeder Seite bekommt man tolle Impulse, wie man das eigene Produktspektrum durch Anleihen  bei - meist ganz anderen - Industrien und Firmen durch verblüffende Kombinationen attraktiv erweitern kann. Mein Vorschlag: Das Buch erst einmal durchflippen/überfliegen, um ein Gesamtbild zu bekommen. Dann gezielt einen ersten Tipp herausgreifen und sofort - am besten in einem Team - daran arbeiten. Ich denke, es werden sehr schnell gute Ergebnisse sichtbar. Ein Buch zum Nachdenken, Experimentieren und unverzichtbar für jedes Unternehmen, ob klein oder groß.

 

***** 5 von 5 Sternen (eher 6 von 5 Sternen)

Homo Deus

Yuval Noah Harari

C.H. Beck Verlag, 2017

 

Vorab: Es ist ein bemerkenswertes Buch! In den letzten Jahren sind vermehrt populärwissenschaftliche Bücher erschienen, die aus seriöser Sicht die Zukunft des Menschen beleuchten. In Homo Deus (der gottgleiche Mensch) wird (abgesehen von Science Fiction, die der Wirklichkeit ja öfter mal erstaunlich treffgenau vorausläuft) ein Tabu gebrochen, welches bisher bei den meisten Menschen gar nicht auf dem Radar stand: Auch Gefühle und individuelle Verhaltensweisen sind nur biochemische Vorgänge, die sich in vielleicht gar nicht allzu ferner Zeit ebenfalls exakt analysieren und nachbilden lassen! Damit wäre einer der Glaubenssätze der meisten Menschen, dass sie einzigartig sind und sich über individuelle Ansichten und Emotionen definieren, zumindest verwässert. Im ersten Teil seines Werkes beschreibt Harari die unglaublich schnelle Entwicklung der Menschheit und ihrer Religionen und Orientierungen von den Natur- über die monotheistischen Religionen und Weltanschauungen der Aufklärung bis zur heutigen Zeit. (Aber)glaube verliert teilweise seine Relevanz, Krankheiten werden leichter überwindbar.

Im zweiten Teil wird die Gegenwart extrapoliert: Computer und Algorithmen wissen oft besser, was wir wollen, als wir selbst. Die Analyse großer Datenmengen lässt erstaunlich gute Prognosen von Verhaltensweisen und Wünschen zu, die uns selbst oft gar nicht in dem Maße explizit bewusst sind. Wir wenden uns vermehrt vertrauensvoll an unseren "großen Bruder" und fragen ihn um Rat oder lassen ihn uns Vorschläge machen, die oft besser sind als unsere eigenen Entscheidungen (die stärker mit Emontionen verbunden sind). Der Blick in die Zukunft beschäftigt sich mit dem möglichen Wegfall von Millionen Jobs und der Frage, was die Menschen dann noch machen. Die Welt wird durch die Daten und nicht mehr durch den Menschen bestimmt, ist eine Schlussfolgerung. Nur eine kleine Schicht von Menschen wird noch etwas zu sagen haben, die Masse kaum mehr. Insgesamt überraschende Schlussfolgerungen und doch irgendwie nachvollziehbar. Ich lege mir das Buch zur Seite und schaue in 10 Jahren noch mal rein.

100 Seiten weniger bei dem gut 500 Seiten starken Buch hätten die Botschaft vielleicht noch deutlicher gemacht. Aber die Länge stört nicht wirklich, es ist unterhaltsam und kurzweilig geschrieben.

 

*****   5 von 5 Sternen

Das trügerische Gedächtnis

Julia Shaw

Hanser Verlag, 2016

 

Wissen besteht großenteils aus Erinnerungen. Daher ist dieses fesselnde Buch über unser Gehirn und unsere Erinnerungen auch für Leser, die sich mit Wissensmanagement beschäftigen, wichtig. Man erfährt aus kompetenter Quelle manche erstaunliche Tatsache. So z.B. dass menschliche Erinnerungen erst ab einem gewissen Alter von dauerhafter Natur sind, dennoch auch viele Erinnerungen irgendwann wieder vergessen werden; dass sich Menschen durch entsprechende "Manipulationen" an Dinge erinnern können, die sie gar nicht erlebt haben; dass sich Erinnerungen im Laufe der Zeit ändern und Wahrheit und Wunschdenken sich vermischen. Man lernt aber auch, dass diese grundsätzlichen Eigenschaften des Gehirns durchaus nützliche Effekte haben. Stutzig wird man, wenn klar wird, wie vage oft sicher geglaubte Beobachtungen sind, die z.B. zu wichtigen Zeugenaussagen führen. Dass man nicht im Schlaf lernen kann und es einige (wenige) Menschen gibt, die sich ab einem gewissen Zeitpunkt exakt an jeden Tag ihres Lebens erinnern. Auch über den Einfluss der sozialen Medien und anderer Entwicklungen auf unser Gedächtnis können wir lesen. Ein hochinteressantes, wissenschaftlich untermauertes und sehr gut lesbares und spannendes Buch.

 

*****   5 von 5 Sternen

Die Null-Grenzkosten Gesellschaft

Jeremy Rifkin

Fischer Verlag, 2016

 

Ein Buch, das nicht weniger als die mittelfristig mögliche Ablösung des Kapitalismus durch eine Wirtschaftsform des Teilens und gemeinsamen Nutzens vorhersagt. Zunehmend sinken die Kosten bestimmter Güter und Dienstleistungen wie Internet, regenerative Energien,  Transport etc., aber auch anderer Güter durch den weltweiten Konkurrenzdruck. Durch individuellen 3D-Druck, Teilen von Ressourcen wie Werkzeugen, Wohnungen, Autos über Plattformen und die weitere Verbreitung von Freeware, Open Source und anderen neuartigen Formaten reduzieren sich die Kosten in vielen Bereichen für den einzelnen. Die junge Generation denkt mehr an Teilen und die Bewahrung der Umwelt. So funktionieren bestimmte Geschäftsmodelle nicht mehr wie in der Vergangenheit, eine neue Art der Wirtschaftsform könnte entstehen, so wie es auch im Laufe der letzten 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte immer wieder zu Änderungen der Gesellschafts- und Geschäftsmodelle kam.

Die Menschen könnten lernen, sich zunehmend als EINE Menschheit zu verstehen, die nur durch sinnvolles Zusammanwirken und den Schutz der Ressourcen weiterbestehen kann. Als massive Bedrohung verbleiben die Zerstörung der Umwelt, Kriege und Terror-Attacken über das Internet.

Ein hochinteressantes Buch, das auf Basis aktueller Entwicklungen und plausibler Überlegungen sehr zum Denken über Grenzen anregt. Einziger Wermutstropfen ist die manchmal etwas langwierige Erklärung bestimmter Entwicklungen. Aber das haben amerikanische Wissenschaftsautoren wohl häufiger an sich. Daher keine 5 Sterne.

 

****   4 von 5 Sternen

Das Ende der Demokratie

Yvonne Hofstetter

C. Bertelsmann Verlag, 2016

 

Eine in der Materie aus eigener Tätigkeit wirklich erfahrene Autorin macht einen Ausflug in die Zukunft, die schon fast da ist und doch noch weit weg erscheint. Big Data, Algorithmen und künstliche Intelligenz bestimmen immer mehr unser Leben, noch viel mehr als wir es bewusst bemerken. Die Autorin fragt, ob es da nicht praktisch und praktizierbar wäre, "künstliche" Politiker zu schaffen, die die so sehr komplexe Welt besser steuern können, als Menschen dazu fähig sind. Bei manchen der heutigen Staatenlenker (auch in Demokratien) sind da durchaus berechtigte Zweifel angebracht. Realität und Fiktion sind in dem Buch geschickt gemischt. Politik, Wirtschaft und Technik sowie deren Interaktion sind auf eine interessante, wenn auch manchmal etwas abrupte Mischung mit gutem Hintergrundwissen spannend dargestellt. Eine der wesentlichen Fragen ist: Was macht der Mensch dann noch, wenn immer mehr durch Maschinen erledigt wird. Und die andere wichtige Frage: Wäre die Herrschaft künstlicher Intelligenz und von Maschinen das Ende der Demokratie? Und welche Folgen hätte dies? Ein sehr lesenswertes, jedoch im Wechsel zwischen Sachbuch und Roman nicht immer leicht zu lesendes Buch.

 

****   4 von 5 Sternen

Cyberkrank

Manfred Spitzer

Droemer Verlag, 2016

 

Der Grat zwischen Nutzen und Sucht bei vielen der heutigen, elektronischen Medien ist schmal. Manfred Spitzner, ein Neurowissenschaftler, stellt das Thema in seinem neuen Buch ausführlich dar. Schwerpunkt sind das Internet und das Smartphone, aber auch das Fernsehen spielt eine Rolle. Die Gefahr, in einen Mißbrauch zu verfallen und eine nicht-stoffliche Sucht auszulösen, scheint nicht gering. Besonders für Kinder und Jugendliche können Videospiele, aber auch Chat-Programme zu einem Verlust der Realitätswahrnehmung mit weitreichenden Folgen führen. Aber auch Erwachsene sind dem nicht gefeit. Der Drang, alles immer schnell "wissen" und E-Mails lesen zu wollen führt leicht zu falscher Prioritätensetzung und unkonzentriertem und oberflächlichem Arbeiten mit laufender Ablenkung. Ebenso sinkt vielfach die Bereitschaft, Dinge wirklich zu lernen oder kritisch zu hinterfragen. Es ist ja so leicht und bequem, die Informationen kritiklos aufzunehmen, die uns angeboten werden. Alleine, sich dieser Gefahren bewusst zu werden, macht das Buch lesenswert. Auch wenn die statistischen Untersuchungen manchmal etwas viel Raum einnehmen, bleibt es ein recht gut zu lesendes Buch und hat bei mir zu wichtigen Eindrücken und Überlegungen geführt.

 

**** 4 von 5 Sternen

Weitere interessante Bücher:

 

Das Neue und seine Feinde

Gunter Dueck

Campus Verlag, 2013

 

Gemeinsam sind wir blöd!?

Fritz B. Simon

Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg, 2004

 

Social Business

Annabelle Atchinson e.a.

Frankfurter Allgemeine Buch, 2014

 

Web 2.0 und Social Media in der Unternehmenspraxis

Andrea Back e.a.

Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2012

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